Fasten im Job?

Arbeitsbegleitendes Fasten in der Gruppe

Empfehlungen der Deutschen Fastenakademie - Stand: 12-02-2019

Fasten und arbeiten? Ja, das geht. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem das Gemeinschaftsgefühl hilft, diese besondere Herausforderung zu meistern. Mehr noch: das Miteinander, die Förderung des Verständnisses für die Kolleginnen und Kollegen erhöhen die Arbeitsmotivation. Nach einer gemeinsamen Fastenwoche lassen sich ein größerer Zusammenhalt und ein achtsamerer Umgang miteinander beobachten – so wird das Arbeitsklima nachhaltig verbessert.

Sie treffen die Entscheidung, zu fasten, fühlen sich am Ende einer Fastenwoche wunderbar und erkennen, es war ihr Handeln, dass sich so positiv ausgewirkt hat. Der Fastenleiter streicht diesen Umstand heraus, um ihn den Fastenden bewusst zu machen und zu verstärken. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit und Autonomie wirkt erhebend und das wirkt sich auch wiederum auf die Arbeitsmotivation aus. Der Mitarbeiter hat eine Auszeit von der zermürbenden Routine gewonnen, eine kleine Tür ging auf, die zu einer neuen Erfahrung führte.

 

 fasten im job

Viel mehr als „Detoxen“

Fasten wirkt bekanntlich auf der körperlichen und der psychischen Ebene. Während einer Fastenwoche nach Buchinger/Lützner macht der Stoffwechsel von Organen und Nervensystem komplexe Anpassungsprozesse durch: Die Fastenden sind wärmehungriger, nehmen eventuell eine Verminderung der Reaktionsgeschwindigkeit und eine kürzere Ausdauer bei der Konzentration wahr, insbesondere in den ersten drei Tagen. Sie spüren intensiver als sonst ihre persönlichen Bedürfnisse und wünschen sich einen achtsamen Umgang untereinander. Die innere und äußere Erlaubnis, seinen Bedürfnissen nachgeben zu dürfen, ist beim Fasten unerlässlich für das persönliche Wohlempfinden und verhindert das Entstehen von bewussten und unbewussten Belastungen und Anspannungen. So sollte beispielsweise das höhere individuelle Ruhebedürfnis bei der Gestaltung des Tagesablaufs (s.u.) berücksichtig werden. Diese größere Bewusstheit im Umgang mit sich selbst und das Erlernen positiver Stressbewältigungsstrategien sind Burnout-Prophylaxe im Sinne der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

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Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Fastenleiter

Mithilfe gut abgestimmter Rahmenbedingungen kann das notwendige Vertrauen zwischen Arbeitgeber (AG), Teilnehmer (TN) und Fastenleiter (FL) entstehen. Die Eckpunkte einer Fastenwoche sollten AG und FL schriftlich festhalten (s.u.).

Wenn in größeren Betrieben nur ein Teil der Belegschaft teilnimmt, kann es sinnvoll sein alle Mitarbeiter im Betrieb über diesen Rahmen und das Projekt zu informieren, z.B. per Rundmail oder Aushang. Anzahl und Namen der TN können nach Abstimmung für alle transparent gemacht werden, um den Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen, den Fastenden Rücksichtnahme entgegenzubringen und Unterstützung zukommen zu lassen. Der ganzheitliche Fasteneffekt kann eintreten.

 

1. Tagesablauf

Der AG sollte dem TN zeitliche Flexibilität einräumen. Gestaltete Pausen gewährleisten den Fastenerfolg. Die Festlegung von Häufigkeit und Dauer solcher Auszeiten verhindert Missverständnisse und gibt dem TN die notwendige Sicherheit. Unterstützen kann der AG auch, indem er diese Pausen als Arbeitszeiten anrechnet – das gilt im Idealfall auch für eventuelle abendliche Treffen. Die Auszeiten sollten alle Beteiligten als wichtige fastenbegleitende Maßnahmen erkennen.

Beispiel: Vormittags und nachmittags jeweils 20 bis 30 Minuten Ruhe und Entspannung; mittags 30 bis 40 Minuten Herz-Kreislauf-Training; nach Arbeitsende Treffen in der Gruppe (Vorträge, Erfahrungsaustausch etc.)

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2. Räumlichkeit

Für die Zeitdauer der Fastenwoche ist die Bereitstellung eines separaten, ruhig gelegenen Raumes wünschenswert. Eine Bestuhlung ermöglicht Entspannungsmethoden im Sitzen. Wenn Matten vorhanden sind, können Übungen im Liegen durchgeführt werden. Optimal ist es, wenn die TN persönliche Dinge wie Wärmflasche, Decke oder Kissen während der Fastenwoche in dem Raum lagern können. Nach Arbeitsende kann der Raum für Vorträge und Erfahrungsaustausch genutzt werden. Die TN erfahren eine gewisse Vertrautheit und Beständigkeit, wenn alle „Gesundheitsmaßnahmen“ wie Entspannungsübungen, Austausch und Vorträge in ein und demselben Raum stattfinden. Auch wenn andere Räumlichkeiten bei der technischen Ausstattung, vielleicht überlegen erscheinen, z.B. Beamer, sollte sich der FL dennoch für einen durchgehend nutzbaren Raum entscheiden. Hier werden auch noch nach dem Kurs positive Gemeinschaftsempfindungen ausgelöst, die mit der damaligen Fastenzeit in Zusammenhang gebracht werden: Erfolg, Entspannung, Freude, Zufriedenheit, Wohlbefinden. Ideal ist auch die ergänzende Möglichkeit, in den Auszeiten an die frische Luft zu gehen.

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3. Arbeitstätigkeit

Wichtig ist, dass die Arbeitsbelastung der TN während der Fastenzeit von Art und Umfang her gut einschätzbar ist. Routinearbeiten sind dabei neuen Herausforderungen vorzuziehen. Eine gute Planung im Vorfeld sollte Termindruck und unerwartete Herausforderungen vermeiden. Grade bei Vollzeitarbeit muss eine Überlastung vermieden werden.

Wenn eine Woche schwierig in den Betriebsablauf zu integrieren ist, kann auch der Einsatz von Urlaubstagen in Erwägung gezogen werden, z.B. Freitag oder Montag. So können Entlastung und Abführen auch am verlängerten Wochenende durchgeführt werden. Der Vorteil ist, dass der Fastende dann vom Stoffwechsel und vom Kreislauf her schon stabiler ist. Andere Möglichkeiten könnten sein, vor dem Fastenprojekt Positivstunden zu sammeln, vorhandene Überstunden während des Projektes abzubauen oder Minusstunden in den darauffolgenden Wochen wieder auszugleichen.

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4. Gruppendynamik

Wenn Vorgesetzte teilnehmen, kann dies zu Befangenheit und Spannungen innerhalb der Gruppe führen. Daher sollte dies gut überlegt werden.

Der FL sollte gut über die jeweilige Unternehmenskultur informiert sein und sich entsprechend einfügen. Hier spielen auch Details eine Rolle, so zum Beispiel die Frage, ob sich die Kollegen untereinander siezen oder duzen.

Beispielsweise durch Unpässlichkeiten kann es sein, dass die TN-Zahl von Tag zu variiert. Dies ist ein Unruhefaktor, der aber nicht immer zu vermeiden ist. Wenn Nichtfaster in der Mittagspause am Herz-Kreislauf-Training teilnehmen, unterstützt dies aber die insgesamt positive Atmosphäre in der Belegschaft.

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5. Kommunikation

Ideal ist die Möglichkeit zu persönlichem Austausch unter den TN und mit dem FL. Aber das gemeinsame abendliche Treffen kann für manche Teilnehmer aus organisatorischen Gründen schwierig sein, zum Beispiel durch zu große Entfernung zum Wohnort. In diesem Fall kann eine WhatsApp-Gruppe nützlich sein, Informationen können per E-Mail geschickt werden und der FL kann Telefonzeiten zur Verfügung stellen.

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Wichtige Hinweise

Personen, die besonderen Gefahren ausgesetzt sind (Bspw. in einem Chemiewerk), die schwere Maschinen bedienen müssen (Bspw. Gabelstaplerfahrer, Kranführer, Busfahrer, Piloten, Landwirte) oder die starke körperliche Beanspruchungen ausgesetzt sind (Bspw. Profisportler, Schwerstarbeiter), wird das Fasten während der Arbeitszeit nicht empfohlen.

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Effekte

Fasten wirkt auf der körperlichen, psychischen und sozialen Ebene. Nach einer richtig durchgeführten Fastenwoche beobachtet man einen allgemein höheren Energielevel, gehobene Stimmung, erhöhte Kollegialität. Diese positive Erfahrung im eigenen Betrieb erhöht die Mitarbeiterbindung und ist somit eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

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Gesundheitswoche

Der FL kann sich ausschließlich auf das Fasten nach Buchinger/Lützner beschränken, aber er kann sein Angebot auch ergänzen, beispielsweise durch gesunde, ausgewogene Ernährung, aktivierende Bewegung, innere Balance oder ganzheitliche Körperpflege. Im Rahmen einer Gesundheitswoche für den ganzen Betrieb ist so auch ein modularer Aufbau planbar.

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Empfohlene Fastendauer - Fasten im Job:
In der Regel 5 Fastentage, zuzüglich 2 vorgeschaltete Entlastungstage und 2 bis 3 Tage Kostaufbauphase

Modifikation mit täglicher Nahrungsenergiezufuhr von etwa 250–450 kcal durch:
▶ Gabe von Kartoffel-Gemüsebrühe (1/4 Liter)
▶ Obst-Gemüsesäfte (1/4 Liter)
▶ Tee mit Honig (20g)
▶ Ausreichende kalorienfreie reichliche Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2,5 Liter) durch Kräutertees und Wasser
▶ Verzicht auf Genussmittel (Kaffee, Nikotin, Softdrinks, Alkohol)
▶ Begleitend Bewegungstherapie, physikalische Therapien; Einstellung eines Gleichgewichts zwischen Bewegung und Ruhe
▶ Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm (abführende Salze, Einläufe), Leber (u.a. Leberwickel), Niere (Trinkmenge), Lungen und Haut
▶ Sorgfältiger Kostaufbau und Hinführung zu einem gesunden Lebensstil

Variationen:
▶ Zugabe von Buttermilch für längere Fastendauern
▶ Molkefasten (täglich 0,5 Liter Kurmolke)
▶ Schleimfasten (Hafer oder Buchweizen; insbesondere bei Magenempfindlichkeit)