Studie: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Foto: Timothy Newman/sXkNQgowJ_g/unsplash

Die Forschung zu Alzheimer läuft auf Hochtouren. Sowohl Fasten als auch Ernährung sind wichtige Untersuchungsthemen – bei beiden zeigt sich ein hohes Vorbeugungspotenzial. Alzheimer-Demenz wird durch Eiweißablagerungen im Gehirn und den schnellen Verlust von Hirnsubstanz verursacht. Doch eine mediterrane Ernährung, die reich an Fisch, Gemüse und Olivenöl ist, kann das Gehirn möglicherweise vor diesen Krankheitsauslösern schützen. Das haben Fachleute des DZNE in einer aktuellen Studie herausgefunden. Die Ergebnisse sind in der Online-Ausgabe des 05. Mai 2021 von Neurology®, dem Medizinjournal der Amerikanischen Akademie für Neurologie erschienen.

Bei der Alzheimer-Erkrankung sterben Nervenzellen im Gehirn ab. Zu einem großen Teil verantwortlich für den Tod der Nervenzellen sind bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn der Betroffenen: Sogenannte Beta-Amyloid-Proteine, die Verklumpungen (Plaques) zwischen den Nervenzellen bilden und Tau-Proteine, die das Innere von Nervenzellen verkleben. Die Ursachen dieser Ablagerungen sind bislang ungeklärt. Zudem ist eine schnell fortschreitende Atrophie, d.h. eine Schrumpfung des Hirnvolumens, bei Betroffenen feststellbar. Alzheimer-Symptome wie Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit, Unruhezustände und herausforderndes Verhalten sind die Folgen.

Wissenschaftler:innen des DZNE um Prof. Michael Wagner, Arbeitsgruppenleiter am DZNE und Leitender Psychologe der Gedächtnisambulanz des Universitätsklinikums Bonn, haben nun in einer Studie herausgefunden, dass ein eher mediterranes Ernährungsmuster, mit relativ höherem Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Getreide, Fisch und einfach ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl, möglicherweise vor Eiweißablagerungen im Gehirn und Gehirnatrophie schützen kann. Bei dieser auch „Mittelmeerkost“ genannten Ernährungsweise werden Milchprodukte, rotes Fleisch und gesättigte Fettsäuren nur in geringem Maße verzehrt.

Umfangreiche Testung

Bei allen Teilnehmenden erforschten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann, ob Gehirnatrophien vorlagen: Sie führten Gehirnscans mit Magnetresonanztomographen (MRT) durch, um das Hirnvolumen zu bestimmen. Überdies unterzogen sich alle Proband:innen verschiedenen neuropsychologischen Tests, in denen kognitive Fähigkeiten wie etwa Gedächtnisfunktionen untersucht wurden. Im sogenannten Nervenwasser von 226 Personen, einer Flüssigkeit, die im Rückenmark vorkommt, suchte das Forschungsteam zudem nach Biomarkern (Messwerten) für Amyloid-Beta-Proteine und Tau-Proteine. Die Forschenden um Michael Wagner fanden heraus: Diejenigen, die sich ungesund ernährten, wiesen höhere pathologische Werte an diesen Biomarkern im Nervenwasser auf als diejenigen, die regelmäßig die Mittelmeerkost verzehrten. Bei den Gedächtnistests schnitten die Teilnehmer:innen, die sich nicht an die mediterrane Ernährungsweise hielten, auch schlechter ab als die Teilnehmer:innen, bei denen regelmäßig Fisch und Gemüse auf dem Teller lagen. „Einen signifikant positiven Zusammenhang gab es außerdem zwischen einer hohen Punktzahl auf der Lebensmittel-Skala für das mediterrane Ernährungsmuster und einem hohen Volumen des Hippocampus. Der Hippocampus ist ein Hirnareal, das als Schaltzentrale des Gedächtnisses gilt und bei Alzheimer frühzeitig und stark schrumpft“, erklärt Dr. Tommaso Ballarini, Wissenschaftler in Michael Wagners Forschungsgruppe und Erstautor der Studie.

Fortsetzung der Ernährungsstudie geplant

„Möglicherweise schützt die mediterrane Ernährung also das Gehirn vor Eiweißablagerungen und Gehirnatrophie, die Gedächtnisverlust und Demenz verursachen können. Unsere Studie gibt Hinweise darauf", sagt Ballarini. „Welcher biologische Mechanismus dahintersteckt, müssen aber zukünftige Studien zeigen.“ Als nächsten Schritt planen Ballarini und Wagner nun eine erneute Untersuchung derselben Studienteilnehmenden nach vier bis fünf Jahren, um zu erforschen, wie die Ernährungsweise — mediterran oder ungesund — die Alterung des Gehirns über einen längeren Zeitraum hinweg beeinflusst. (fa)

 

Quellen

Pressemitteilung

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), Dr. Christine Knust, 06.05.2021

Literatur

Ballarini et al.: Mediterranean Diet, Alzheimer Disease Biomarkers and Brain Atrophy in Old Age. Neurology® (May 2021), DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000012067

Dr. Hellmut Lützner

Schon als Kind lernt Hellmut Lützner zuhause eine naturnahe Lebensweise und Ernährung kennen – aber seine Hautkrankheit lässt sich nicht bessern. Er wird Arzt und entdeckt die heilsame Wirkung der Ernährungstherapie und des Fastens – sowohl bei sich selber als auch bei Patient:innen. Damit jeder Mensch die Möglichkeit hat, das Fasten zu erfahren, schreibt er den Bestseller „Wie neugeboren durch Fasten“ und begründet die Deutsche Fastenakademie. Mehr zum Leben Lützners erfahren.

 

 

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