Reno Popp

Migräne tritt mit einer Häufigkeit von circa 25 % in der Bevölkerung auf. Dabei sind fast 70 % der Betroffenen mit ein bis zwei Tage pro Monat, das sind 34 Tage im Jahr (!), an der Migräne erkannt. Für die europäische Gemeinschaft wurden aktuell Kosten von circa 20 Milliarden € pro Jahr errechnet.

 

Migräne zeichnet sich durch ihren anfallsweise auftretenden, pulsierenden, oft einseitigen und zeitlich begrenzten (4-72 h Dauer) Charakter aus. Die Intensität kombiniert mit begleitenden neurologischen Symptomen führt zu starken Einschränkungen des Betroffenen. Man unterscheidet klinisch verschiedene Migräneformen wie Migräne mit oder ohne Aura (vor der Attacke auftretende Symptome wie z.B. Augenflimmern).
Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit bis zu 65-95 % und Erbrechen bis zu 50 %.
Die Entstehung der Migräne ist noch nicht geklärt. Als Auslöser einer Migräne kommen viele Faktoren in Betracht, vermutet wird eine Entzündung von Nerven und Blutgefäßen (neurovaskuläre Theorie). Der Trigeminusnerv wird mechanisch, elektrisch oder chemisch gereizt und sorgt für eine Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen in der Hirnhaut. Dadurch kommt es zu einer Erweiterung der arteriellen Blutgefäße und einer Erhöhung der Wanddurchlässigkeit. Nun tritt Blutplasma in die Umgebung über und ruft eine Art Entzündung an den Hirnhäuten und dem umliegenden Hirngewebe hervor. Diese Entzündung verursacht den typischen Migränekopfschmerz.


Besonders potente Auslöserfaktoren einer Migräneattacke sind:
█ Stress █ Änderungen des normalen Tagesrhythmus █ Emotionen █ hormonelle und metabolische Änderungen █ das Auslassen von Mahlzeiten
█ Erschöpfung, Schlafmangel █ Sonstige: Medikamente, Wetter,Lichtveränderungen, genetische Faktoren, u. a.

Eine Gemeinsamkeit der Faktoren scheint die plötzliche Veränderung des normalen Lebensrhythmus zu sein! Jedoch werden bei 20 % der Betroffenen Nahrungsmittel als Auslöserfaktor angegeben, wie etwa: █ Schokolade █ Molkereiprodukte █Alkohol █ Frittierte Nahrungsmittel █ Kaffee

Die Therapieplanung muss gemeinsam mit dem Patienten erfolgen.
So unterscheidet man die Akutherapie und die Prophylaxe. Eine ganzheitliche Migränetherapie beinhaltet die Beeinflussung aller krankmachenden Mechanismen.
Therapieverfahren:

█ Medikamente: Triptane, Schmerzmittel

█ Verhaltenstherapie: Entspannungsverfahren (progressive Muskelentspannung), Biofeedbackverfahren, Stressbewältigungstraining, kognitive verhaltensorientierte Methoden

█ Substitution von Magnesium und Vitamin B2

█ Phytotherapie: Pestwurzextrakte

█ Physiotherapie: Bäder, Massagen, Bestrahlungen

 

Alle weiteren Therapieverfahren werden wegen ihrer nicht gesicherten Wirksamkeit und Verträglichkeit in der medizinischen Wissenschaft als „unkonventionelle“ Therapien bezeichnet.
Das sind unter anderem: █ Chiropraktik █ Nackenmassage █ Akupunktur █ Kneipptherapie █ Schlafkuren █ Diäten
So wird die Diät hinsichtlich ihrer naturgemäßen Ernährung zweifelsfrei gesünder als der Industrienahrung eingeschätzt. Es wurden spezielle Diätprogramme entwickelt, wie z.B. F.X. Mayr-Diät. Sieht man von der Vermeidung von speziellen auslösenden Faktoren ab, ist ein spezifischer Effekt von speziellen Diäten in der Therapie von Kopfschmerzen durch kontrollierte wissenschaftliche Studien bisher jedoch nicht oder kaum nachgewiesen.

Dieser Aussage kann man die Fastentherapie nach der Leitlinie der ÄGHE (Buchinger-Fasten) gegenüberstellen.
In einer Auswertung von Migränepatienten an der Klinik Dr. von Weckbecker in Bad Brückenau, konnte das ganzheitliche Konzept der Heilfastentherapie sehr gute Ergebnisse erzielen. Die Heilfastentherapie wurde durch weitere Verfahren wie etwa Kneippsche Anwendungen und Sauna ergänzt. Bei starken Migräneattacken in den ersten Fastentagen wurden täglich zwei Darmbäder durchgeführt. Der Nahrungsaufbau nach dem Heilfasten erfolgte mit ovo-lacto-vegetabiler Vollwertkost. In der Auswertung wurden 401 Fastenverläufe (243 Erstverläufe ,158 Wiederholungsverläufe) einbezogen. Die Fastenzeit
betrug 14-21 Tage. 

Die Langzeitergebnisse:
􀁊 Beschwerdefreiheit lag bei 26 % und Attackefreiheit über ein Jahr lang bei 48 % nach dem ersten Aufenthalt
􀁊 Beschwerdefreiheit lag bei 17 % und Attackefreiheit über ein Jahr lang bei 51 % nach wiederholten Aufenthalt
􀁊 Beschwerdebesserung lag bei 51 % (wobei nach dem Wiederholungsfasten die Besserung länger anhielt)
􀁊 12 Patienten hatten keine Besserung
􀁊 Es ergibt sich eine Besserung bzw. Beschwerdefreiheit von 94 % für ein halbes Jahr und 67 % über den halben Jahr.

Die kombinierte Heilfastentherapie erbrachte weiterhin:
􀁊 eine nebenwirkungsfreie Therapie
􀁊 eine starke Motivation für eine gesunde Lebensführung
􀁊 eine Eigenverantwortung des Patienten wird aktiviert
􀁊 eine gleichzeitige Mitbehandlung anderer Erkrankungen
􀁊 eine Prophylaxe
􀁊 gute Resultate werden auch mit kürzeren Fastenzeiten erzielt.

􀁊 hohe Erfolgsquote (Reduzierung von Medikamenten, Beschwerdefreiheit)
􀁊 bei Wiederholungen treten weniger Migräneanfälle in den ersten Tagen auf und/oder haben bessere Ergebnisse in der Langzeitbeobachtung


In der Fastenliteratur von Drs. Lischka, Fahrner und Buchinger wird beschrieben, dass meist in den ersten Tagen eine Migräneattacke durch den erhöhten Symphatikustonus (psychische Umstellung zum Therapiebeginn oder Fastenacidose) auftritt. Im weiteren Verlauf es aber zu keinen erneuten Anfall kommt.
Fahrner führt aus: „Häufig ist eine solche dann auch für einige Zeit die letzte gewesen. Auf jeden Fall werden die Anfälle danach schwächer und seltener oder verschwinden Etappenweise ganz.“ Buchinger verweist auf vollständige Heilungen, insbesondere wenn eine „innere und äußere Neuordnung ihres Lebens“ erfolgte. Lischkas betonen: „Nicht jede Migräne verschwindet beim ersten Fasten, sondern in manchen besonders schweren Fällen sind regelmäßige Behandlungen einzuplanen, um die Beschwerden in Grenzen zu halten und schwere Schäden als Folge der Schmerzmittelmissbrauchs zu vermeiden.“
Zusammenfassend ist eine wissenschaftliche Überprüfung der Fastentherapie für die Migränebehandlung zu erbringen.


Um in den ersten Tagen des Fastens einen möglichen Migräneanfall zu vermindern oder zu verhindern, können folgende begleitende Maßnahmen durchgeführt:
􀁊 frühzeitige Nahrungsumstellung auf lacto-vegetabile Vollwertkost (1 Woche vorher)
􀁊 Verzicht auf Kaffee (mindestens 4 Tage vorher)
􀁊 Substitution mit mineralstoffreichem Basenpulver
􀁊 Substitution mit Vitamin C und Eisenpräparaten
􀁊 Homöopathische Mittel
􀁊 Akupunktur
􀁊 abführende Maßnahmen mit Glaubersalz oder Einläufen (Dr. von Weckbecker Klinik bis zu 2x Bittersalz und 2x Einlauf am Tag der Migräneattacke)
􀁊 Einnahme bisheriger Medikamente bei einem Migräneanfall


Die Betreuung von Migränepatienten als Fastenleiter ist nur in Zusammenarbeit mit einem Arzt möglich (Lützner).

Bei Umsetzung des ganzheitlichen Konzeptes der Fastentherapie erreicht man eine unbeschwerte Fastenwoche und Folgezeit für den Migräniker.
Auch Otto Buchinger sen. bemerkte zur Therapie der Migräne, dass mit „...Heilfasten die relativ erfolgreichste aller Behandlungsmethoden gefunden“ sei.

Literaturliste beim Verfasser. Reno Popp, Facharzt für Chirurgie

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