Der berühmte Neurowissenschaftler Mark Mattson gab ein Interview im Journal Neuron

Mark Mattson, Professor of Neuroscience an der Johns Hopkins University, aufgenommen 2009 Göteborg Book Fair. Foto: Vogler„Der Höhepunkt meiner Karriere ist es, die Umsetzung unserer Forschung zum intermittierenden Fasten in die klinische Praxis mitzuerleben und in einigen Fällen daran teilzunehmen.“ Dies sagte Mark Mattson gegenüber Neuron, einem renommierten wissenschaftlichen Journal. Im Folgenden eine Zusammenfassung der Highlights seiner Aussagen der positiven Effekte des Fastens zur Prävention neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson.

Mark Mattson ist einer der weltweit führenden Neurowissenschaftler und beschäftigt sich in seiner Forschung schwerpunktmäßig damit, wie das Gehirn sich an Herausforderungen wie Fasten und Bewegung aktiv anpasst. Darauf aufbauend entwickelt er Maßnahmen, um eine optimale Gehirnfunktion über die gesamte Lebensspanne zu fördern.

Steinzeitmenschen mussten fasten können

Neuronen, also Nervenzellen, reagieren auf evolutionär wichtige bioenergetische Herausforderungen. Mattson sieht die Nahrungsmittelknappheit als „herausragenden Treiber der Gehirnentwicklung“. Um in einer Phase der Knappheit an neue Nahrung zu gelangen, musste das Gehirn unserer Vorfahren auch im Fastenmodus optimal funktionieren. Also etwas salopp ausgedrückt: Der Neandertaler musste auch ohne ausgiebiges Frühstück in der Lage sein, ausgedehnte, schwierige und vor allem erfolgreiche „Jagdausflüge“ zu machen. Mattson gibt einen Einblick in seine Forschung: „Studenten und Postdocs in meinem Labor zeigten, dass intermittierendes Fasten und Training die neuronale Funktion und Belastbarkeit stärken, indem sie die Biogenese der Mitochondrien stimulieren, die antioxidative Abwehr hochregulieren, die Autophagie und DNA-Reparatur verbessern und die Kontrolle der glutamatergen neuronalen Netzwerke verbessern. Übermäßige Kalorienaufnahme und Bewegungsmangel haben die gegenteiligen Auswirkungen und machen Neuronen anfällig für Funktionsstörungen und Degeneration.“ Eine Besonderheit von Mattson`s Forschung ist, dass er das Fasten zusammen mit der Bewegung betrachtet. Dies liegt vielleicht auch daran, dass er selber begeisterter Trailrunner und Mountainbike-Fahrer ist. Hier experimentiert er auch selber, indem er seine sportlichen Leistungen im Fettstoffwechsel erbringt.

Der Stoffwechsel-Switch

Für ihn ist der sogenannte G-to-K-Switch, also der Wechsel des Stoffwechsels vom Verbrennen von Zucker (Glukose) zum Verbrennen von Fett bzw. der Herstellung von Ketonen, der Schlüssel zu den Wirkungen des Fastens: „In den letzten 10 Jahren gab es eine Explosion von Versuchen mit intermittierendem Fasten beim Menschen. Diese Studien haben Vorteile des intermittierenden Fastens für übergewichtige Menschen und Menschen mit Typ-2-Diabetes, Asthma und anderen entzündlichen Erkrankungen gezeigt. Ein metabolischer Wechsel von der Verwendung von Glukose zur Verwendung von aus Fett gewonnenen Ketonen ist ein wichtiger Faktor für viele gesundheitliche Vorteile des intermittierenden Fastens. In Tierversuchen fanden wir heraus, dass bei Anpassung von Mäusen an intermittierendes Fasten der GABAerge Tonus in neuronalen Netzwerken des Hippocampus verstärkt wird. Dies könnte die Fähigkeit des intermittierenden Fastens erklären, Neuronen vor Übererregbarkeit zu schützen. Interessanterweise kann intermittierendes Fasten ähnlich wie regelmäßiges Training die Angst verringern und die Wahrnehmung bei Nagetieren verbessern. Neue Erkenntnisse legen nahe, dass dies auch beim Menschen der Fall sein kann.“ (siehe Literatur unten)

Ein weiterer Punkt ist, dass intermittierendes Fasten die Biogenese der Mitochondrien im Gehirn und die Produktion des aus dem Gehirn stammenden neurotrophen Faktors (BDNF) stimuliert. Der sog. Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) wirkt auf verschiedene Nervenzellen des zentralen und des peripheren Nervensystems. Er schützt die vorhandenen Nervenzellen und Nervenverbindungen (Synapsen) und fördert das Wachstum neuer Nervenzellen.

Alzheimer und Parkinson vorbeugen

Das Altern selber ist für Mattson der Hauptrisikofaktor für die Alzheimer-Erkrankung, die Parkinson-Erkrankung und den Schlaganfall. Er und sein Team haben die Hypothese getestet, dass eine Einschränkung der Nahrungsenergie die Nervenzellen in Tiermodellen dieser Krankheiten vor Funktionsstörungen und Degeneration schützen würde. Er entschied sich für das Fasten jeden zweiten Tag als „Anti-Aging“-Maßnahme, da Alternsforscher gezeigt hatten, dass dieses intermittierende Fasten die Lebensdauer von Ratten und Mäusen um 50 Prozent oder mehr verlängern kann.

In seiner Forschung und der vieler Kollegen häufen sich seitdem die Belege, dass intermittierendes Fasten für Gehirn und Körper große Vorteile hat und neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer vorbeugen kann: „Es gibt (...) Hinweise darauf, dass ein gesunder Lebensstil, der regelmäßige Bewegung, Mäßigung der Kalorienaufnahme und intellektuelle Herausforderungen umfasst, das Gehirn vor Angststörungen und Depressionen sowie altersbedingten neurodegenerativen Störungen schützen kann.“ (fa)

Quellen

Literatur

Originalartikel mit dem ganzen Interview: 
Mark Mattson Q&A Interview. Neuron. 2021 May 19;109(10):1596-1599. doi: 10.1016/j.neuron.2021.02.016. PMID: 34015267.

Review zum Intermittierenden Fasten mit Schwerpunkt auf Humanstudien:
de Cabo R, Mattson MP. Effects of Intermittent Fasting on Health, Aging, and Disease. N Engl J Med. 2019 Dec 26;381(26):2541-2551. doi: 10.1056/NEJMra1905136.

Zitat
Lützner H.: Aktive Diätetik. Hippokrates, Stuttgart, S. 229, 1993. Zitiert nach: Semler E.: Mit Herz und Verstand: Verzicht üben – Essen und Genießen lernen – Krankheiten heilen. Zitate von Dr. med. Hellmut Lützner. Engelhartstetten, 2019, S. 65.

Dr. Hellmut Lützner

Schon als Kind lernt Hellmut Lützner zuhause eine naturnahe Lebensweise und Ernährung kennen – aber seine Hautkrankheit lässt sich nicht bessern. Er wird Arzt und entdeckt die heilsame Wirkung der Ernährungstherapie und des Fastens – sowohl bei sich selber als auch bei Patient:innen. Damit jeder Mensch die Möglichkeit hat, das Fasten zu erfahren, schreibt er den Bestseller „Wie neugeboren durch Fasten“ und begründet die Deutsche Fastenakademie. Mehr zum Leben Lützners erfahren.

 

 

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