Mikrobiomstudie

Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, wird zunehmend Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. Praktisch täglich werden neue Studien zu den Verbindungen mit der Gesundheit von Körper – und auch der Seele! – veröffentlicht. In der Naturheilkunde und im Heilfasten sind die Zusammenhänge schon lange bekannt und sie werden zu Vorbeugung und Heilung genutzt. Nun wurde in der Universitätsmedizin Greifswald eine wirklich große Studie durchgeführt – mit sehr interessanten Ergebnissen.Foto: OpenClipart-Vectors from PixabayFoto: OpenClipart-Vectors from Pixabay

Bei rund 1.300 Personen wurde das Darm- bzw. Stuhlmikrobiom über 5 Jahre untersucht. Ziel war, jene Faktoren und Krankheiten zu identifizieren, die für seine Langzeit-Stabilität verantwortlich sind. Insgesamt erwies sich die Darmflora erstaunlich stabil. Gesunde Menschen leben mit Billionen von Bakterien zusammen, die mehrheitlich den Dickdarm besiedeln.  Einerseits verstoffwechseln sie Teile der Nahrung und sorgen für die Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann. Andererseits begünstigt eine gestörte Zusammensetzung des Mikrobioms verschiedene Krankheiten wie Krebs, Entzündungen oder Alzheimer-Demenz.

Fast alle bisherigen Studien zum Zusammenhang zwischen Krankheiten und Mikrobiom haben bislang Patienten zu einem einzigen Zeitpunkt untersucht, um Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung des Mikrobioms und verschiedenen Krankheiten zu finden. Wissenschaftler haben nun dagegen 1.282 Freiwillige 2-mal im Abstand von 5 Jahren auf die Zusammensetzung des Stuhl- bzw. Darmmikrobioms hin untersucht (auf der Basis von 16S rRNA-Daten) und sich die Frage gestellt, welche bereits zum ersten Zeitpunkt vorhandenen Erkrankungen die Stabilität des Mikrobioms in der Zukunft verändern oder beeinträchtigen und sich damit negativ auf die Gesundheit auswirken.

Diabetes und Fettleber

„Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms von Erwachsenen in Vorpommern war über den untersuchten Zeitraum hinweg sehr stabil“, so der Erstautor der Studie, Dr. Fabian Frost von der Universitätsmedizin Greifswald. „Überrascht hat uns allerdings, dass Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Fettleber, die zum Formenkreis des Metabolischen Syndroms (siehe unten Glossar) gehören, das Mikrobiom instabil machen und zu einer Zunahme von potenziell krankmachenden Bakterien führen.“ Dies traf nicht zu auf Arteriosklerose, Erkrankungen der Nieren oder solche der Schilddrüse und trägt dadurch zum besseren Verständnis der Stoffwechselerkrankungen bei. Umgekehrt fand sich eine gesundheitsförderliche Langzeitstabilität des Mikrobioms vor allem bei Frauen, bei Probanden mit höherem Haushaltseinkommen und bei Menschen mit guter Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse. „Wir hatten bereits nachgewiesen, dass die Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse der wichtigste Wirtsfaktor für die individuelle Zusammensetzung des Mikrobioms im Darm ist. Dass sie auch dessen Langzeitstabilität ganz maßgeblich prägt, war für uns neu. Hieraus ergeben sich neue Therapiemöglichkeiten für eine langfristige günstige Beeinflussung des Mikrobioms“, kommentiert der Leiter der Arbeitsgruppe, Prof. Dr. Markus Lerch von der Universitätsmedizin Greifswald.

Mikrobiomveränderungen gehen Erkrankungen oft voraus

Ein Teil der Teilnehmer war zum ersten Zeitpunkt der Studie gesund und entwickelte erst im Verlauf der nachfolgenden fünf Jahre einen Diabetes oder eine Fettleber. Überraschenderweise zeigten diese Probanden aber bereits vor dem Auftreten der Erkrankung Veränderungen in der Zusammensetzung ihres Darmmikrobioms, welche sie von jenen Probanden, die gesund blieben, signifikant unterschieden. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Mikrobiom-Veränderungen auch den Krankheiten vorausgehen können, mit denen sie assoziiert sind. In Zukunft lässt sich diese neue Erkenntnis vielleicht sogar für eine Krankheitsfrüherkennung diagnostisch nutzen“, meint Dr. Georg Homuth von der Greifswalder Abteilung für Funktionelle Genomforschung.

Beeinträchtigung der Darmflora durch Einläufe und Fasten?

„Es ist einleuchtend, dass sich die Bakterienflora des Dünn- und Dickdarms mit der Art der Ernährung verändert, so auch beim Fasten und jedem anderen diätetischen Eingriff. Keine Anzeichen gibt es, dass sich die physiologische enterale Bakterienflora etwa durch Einläufe oder durch das Fasten selbst letztendlich stören ließe, auch wenn sie sich im Fasten laufend verschiebt. Eine möglichst naturbelassene Ernährung in der Nachfastenphase spielt wahrscheinlich eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau einer stabilen Flora, insbesondere die Zufuhr von Frischkost.“
(Dr. Hellmut Lützner1, 1928-2020)

Fazit für Fasteninteressierte

Auch der Mitgründer der Deutschen Fastenakademie, der große Fastenarzt Dr. Hellmut Lützner, hat die überragende Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Darmflora und Fasten erkannt – wobei er im Rahmen seiner Aktiven Diätetik immer die Bedeutung der Nachfastenkost betont hat. Das Fasten kann an mehreren Stellen der Regelkreise von Mikrobiom und Stoffwechsel ansetzen: Unter anderem kann es richtig durchgeführt die Darmflora positiv beeinflussen und aber auch z.B. dem Metabolischen Syndrom vorbeugen bzw. es günstig beeinflussen. (fa)

Glossar

Der Begriff Metabolisches Syndrom bezeichnet die Kombination von gestörtem Kohlenhydratstoffwechsel, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Übergewicht.

Quellen:

Universität Greifswald, Jan Meßerschmidt

Originalarbeit

Frost F et al.: Long-term instability of the intestinal microbiome is associated with metabolic liver disease, low microbiota diversity, diabetes mellitus and impaired exocrine pancreatic function. Gut 2020; 0:1-9. doi:10.1136/gutjnl-2020-322753

1  Lützner H: Aktive Diätetik. Hippokrates, Stuttgart, S. 236, 1993. Zitiert nach: Semler E.: Mit Herz und Verstand: Verzicht üben – Essen und Genießen lernen – Krankheiten heilen. Zitate von Dr. med. Hellmut Lützner. Engelhartstetten, 2019. Bezug: academia-diaetetica.de/semler-publikationen/

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