Abnehmstudie

Für nicht wenige Fastende ist die Gewichtsreduktion ein Motivationsfaktor – siehe auch das Zitat von Dr. Hellmut Lützner unten. Es ist bekannt: Übergewicht kann für die Gesundheit problematische Folgen haben, vor allem wenn es über einem BMI von 30 liegt und als Adipositas (Fettsucht) gilt. Als unabhängiger Risikofaktor für Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Adipositas eine Herausforderung für die Betroffenen – aber auch für alle Gesundheitssysteme. In Kanada waren mit Stand 2018 insgesamt 63% der Erwachsenen übergewichtig (27%) oder adipös (36%). Eine aktuelle kanadische Studie hat Fasten mit kohlenhydratarmer Ernährung kombiniert.

Brooke Lark/jUPOXXRNdcA/unsplash
Der Ansatz der kohlenhydratarmen Ernährung basiert nach den Autor:innen auf einer „endokrinen Theorie der Fettleibigkeit“ mit Schwerpunkt auf dem Thema Insulin. Es gibt eine geringere Insulinreaktion auf Fett- oder Proteinkonsum als auf Kohlenhydrate. Niedrigere Insulinspiegel verringern die Fettspeicherung und ermöglichen deren Mobilisierung durch Glukoneogenese mit einem daraus resultierenden Gewichtsverlust, begleitet von einer klinisch unbedeutenden Ketose.

Die prospektive 1-Jahres-Beobachtungsstudie von O'Driscoll T et al. informierte Patient:innen in einer ländlichen Grundversorgungsklinik in Sioux Lookout, Northwestern Ontario zum Fasten und kohlenhydratarmen Diäten. Die Untersucher haben den Patient:innen empfohlen, alle 3 Monate Angebote für Messungen wahrzunehmen: Gewicht, Taillenumfang, Body Mass Index (BMI) und Blutdruck. Die zu Anfang und nach 6 Monaten durchgeführte Blutuntersuchung umfasste HbA1c und Lipide.

Die Untersuchung nach 6 Monaten umfasste auch die Erfassung des Gesundheitszustandes und eine Befragung zur Diät. Von den 94 Patient:innen die sich zur Studie angemeldet hatten, absolvierten 36 Teilnehmer 1 Jahr. Sie erreichten einen Gewichtsverlust von 9% und eine Abnahme des BMI und des Taillenumfangs um 8,6%. Die meisten Teilnehmer:innen waren weiblichen Geschlechts mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren. Die Untersucher beobachteten nur klinisch unbedeutende Veränderungen des Blutdrucks und des Blutbildes. Die Teilnehmer:innen berichteten, dass nur wenige Nebenwirkungen auftraten und sie das intermittierende Fasten gut durchhalten konnten:  durchschnittlich 15 Stunden pro Tag, an 6 Tagen in der Woche. Wie in anderen Ernährungsstudien auch war die Abbrecherquote war hoch: 62%.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ihre unaufwändige Intervention bei freiwilligen Patienten in einer ländlichen Grundversorgungsklinik erfolgreich einen Gewichtsverlust nach 1 Jahr erreicht hat. Ihr Ansatz sei praktikabel und eine gute Grundlage für weitere Forschung. (fa)

 

Was motiviert Gesunde zum präventiven Fasten?
Motivationen zum „Fasten für Gesunde“ stellen dar:
• Erlebnis des freiwilligen Nahrungsverzichts ohne Hunger
• Reinigung des Körpers: Entschlackung, Entgiftung und Gewichtsentlastung
• Konfrontation mit den Konsumgebräuchen unserer Zeit
• Impuls zur Veränderung des Lebensstils: Genussmittelverzicht, Lösung aus Gewohnheitsmustern, Ernährungsveränderung, Bewegungsverhalten
• „Innere Kosmetik“, Verlangsamung von Alterungsvorgängen
• Anregung von Kreativität und geistiger Leistung
• Religiöse und meditative Aspekte
(Dr. Hellmut Lützner1, 1928-2020)

 

Quellen

Originalarbeit

O'Driscoll T et al.: New obesity treatment: Fasting, exercise and low carb diet - The NOT-FED study. Can J Rural Med. 2021 Apr-Jun; 26(2): 55–60. doi: 10.4103/CJRM.CJRM_1_20. PMID: 33818532.

1  Lützner H: Fasten/Fastentherapie. Teil 1: Grundlagen und Methodik. In: Bühring M, Kemper FH, Matthiesen PF: Naturheilverfahren und unkonventionelle medizinische Richtungen. Springer Loseblattsysteme, Berlin, 25 Seiten, 1998.
Zitiert nach: Semler E.: Mit Herz und Verstand: Verzicht üben – Essen und Genießen lernen – Krankheiten heilen. Zitate von Dr. med. Hellmut Lützner. Engelhartstetten, 2019, S. 57.
Bezug: academia-diaetetica.de/semler-publikationen/

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