Blutdrucksenkende Medikamente sind nicht nebenwirkungsfrei so sucht man nach ergänzenden naturheilkundlichen Maßnahmen. Viele Fasteninteressierte haben sich hier gesundheitliche Ziele gesteckt. Aber wirkt das Fasten wirklich nachweislichMockup Graphics/i1iqQRLULlg/Unsplash auf den Blutdruck? Eine Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte den Einfluss eines Langzeitfastens auf den Blutdruck. Das Besondere: Es war eine relativ große Studie mit 1.610 Teilnehmer:innen; das erhöht die Aussagekraft. Neben der Hauptautorin Grundler waren auch die bekannten deutschen Fastenexpert:innen Michalsen und Wilhelmi de Toledo mit dabei. Die Studienergebnisse sind im Journal American Heart Association veröffentlicht worden.

Die Fasten-Zeiträume hatten eine Spanne von 4 bis 41 Tagen in einer Kohorte von 1.610 Probanden. Von diesen wiesen 920 einen normalen Blutdruck auf. 313 Probanden hatten einen erhöhten Blutdruck, der nicht medikamentös behandelt wurde und 377 einen erhöhten Blutdruck, der medikamentös behandelt wurde. Werte von über 140/90 mm HG werden in internationalen Leitlinien als Bluthochdruck definiert (140 ist der sogenannte systolische Wert, während der Herzmuskelzusammenziehung; 90 der diastolische Wert, während der Erschlaffung des Herzmuskels; mm HG ist eine historisch bedingt Maßeinheit: Millimeter Quecksilbersäule).

Die Studienteilnehmer:innen durchliefen ein multidisziplinäres Fastenprogramm mit einer täglichen Aufnahme von 250 Kalorien. 

Ergebnisse

Gewicht und Stresswerte nahmen während des Fastens ab und ein Index für das Wohlbefinden stieg an. Dies dokumentierte laut Grundler et al. die gute Verträglichkeit. Die Blutdruck-Mittelwerte nahmen ab, von 126,2 ± 18,6 / 81,4 ± 11,0 auf 119,7 ± 15,9 / 77,6 ± 9,8 mm Hg. Dies entsprach einer mittleren Änderung -6,5 /3,8 mm Hg. Die Blutdruckveränderungen waren bei Patienten mit nicht medikamentös behandeltem Bluthochdruck (> 140 / 90 mm Hg) größer: um 16,7 / 8,8 mm Hg reduziert. Diese Reduktion war für die Studienteilnehmer:innen (n = 76) mit dem höchsten nicht medikamentierten Blutdruck (> 160 / 100 mm Hg) sogar noch deutlicher: 24,7 / 13,1 mm Hg.

Bei den Studienteilnehmer:innen mit normalem Blutdruck nahm er nur moderat um 3,0 / 1,9 mm Hg ab. Interessanterweise haben die Untersucher in einer Untergruppe von 69 weiblichen Teilnehmerinnen, die einen Ausgangswert von <100 / 60 mm Hg aufwiesen, also einen tendenziell zu niedrigen Druck, einen Anstieg von 6,3 / 2,2 mm Hg festgestellt.

In der Gruppe der Teilnehmer mit medikamentös behandeltem Bluthochdruck nahm der Blutdruck von 134,6 / 86,0 auf 127,3 / 81,3 mm Hg ab. Bei 23,6 % der Studienteilnehmer:innen konnte die Medikation ausgesetzt werden, während die Dosierung bei 43,5 % reduziert wurde; bei 19,4 % blieb sie unverändert.

Ein sehr interessantes Ergebnis der Studie: Je länger der Fasten-Zeitraum war, desto größer war die Blutdrucksenkung! Grundler et al. haben weiterhin festgestellt, dass grundlegende Messgrößen wie der Body Mass Index und die Blutzuckerwerte verwendet werden können, um die Höhe der Blutdrucksenkung vorherzusagen. 

Schlussfolgerungen

Die Autoren schlussfolgern, dass Langzeitfasten den Blutdruck bei Probanden mit erhöhten Blutdruckwerten tendenziell senkt. Dieser Effekt hielt auch noch während der 4 Tage des schrittweisen Kostaufbaus an, auch wenn die Teilnehmer:innen keine blutdrucksenkenden Medikamente nahmen.

Das beste Mittel gegen Bluthochdruck?

„Ich kenne kein Mittel aus der inneren Medizin, das so sicher und dauerhaft einen Hypertonus (Bluthochdruck) zu senken vermag wie Fasten, Bewegung und Ernährungstherapie.“

(Dr. Hellmut Lützner1, 1928-2020)

 Botschaften für die Praxis

  • Langzeitfasten könnte als spezifische Ernährungsmaßnahme, ergänzend zu einer Medikation sinnvoll sein, insbesondere beim Erreichen eines normalen und kontrollierten Blutdrucks in Fällen, in denen blutdrucksenkende Medikamente nicht anschlagen.
  • Der Blutdruck sowohl von medikamentös behandelten und nicht behandelten Hochdruckpatienten normalisierte sich während des Langzeitfastens; besonders heben die Autor:innen hervor, dass zwei Drittel der medikamentös behandelten Patient:innen die Dosierung dieser Medikamente reduzieren konnte.
  • Teilnehmer:innen mit normalem Blutdruck blieben im Normbereich, während bei weiblichen Teilnehmer:innen mit niedrigem Ausgangswert der Blutdruck in den Normbereich anstieg.

Kommentar zur Studie

Lebensstilveränderungen im Sinne eines Mehr an Bewegung, eines Weniger an Stress, sowie z.B. Alkohol- und Salzreduktion sind erst einmal die Mittel der Wahl zur Reduktion eines erhöhten Blutdrucks. Das Fasten kann dabei der ideale Impuls sein, den eigenen Lebensstil zu ändern. Nun zeigt sich mehr und mehr, dass das Fasten auch eine blutdruckregulierende Wirkung hat. Vor allem wenn man jetzt noch das Fasten mit Bewegung kombiniert, wie beim Fastenwandern, zeigt die Erfahrung, dass dies effektiv regulierend wirkt. (fa)

 

Quellen:

Originalarbeit - Grundler F et al.: Blood pressure changes in 1610 subjects with and without antihypertensive medication during long-term fasting. J Am Heart Assoc. 2020 Dec; 9(23): e018649. doi: 10.1161/JAHA.120.018649

1  Lützner H.: Aktive Diätetik. Hippokrates, Stuttgart, S. 236, 1993. Zitiert nach: Semler E.: Mit Herz und Verstand: Verzicht üben – Essen und Genießen lernen – Krankheiten heilen. Zitate von Dr. med. Hellmut Lützner. Engelhartstetten, 2019.
Bezug: academia-diaetetica.de/semler-publikationen/

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