Interview mit Prof. Dr. Andreas Erhardt

Ernährung und Fasten haben großen Einfluss auf unsere Darmflora, das intestinale Mikrobiom. Es repräsentiert aktuell eines der Topthemen, die im Fokus der modernen Humanmedizin stehen. Es ist Teil intensiver Forschung und wird zunehmend als eigenständiger Organismus begriffen, welcher wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit und verschiedene Erkrankungen wie Diabetes oder COPD hat. Prof. Dr. Andreas Erhardt beantwortete Fragen zum Thema Darmgesundheit und Mikrobiom.

 

Was ist das Mikrobiom?

Als Mikrobiom versteht man die Gesamtheit aller Bakterien, Viren und Pilze, die Menschen im Darm tragen. Es wird zunehmend als eigenständiger Organismus begriffen, denn die Bakterien produzieren 100-mal mehr Stoffe als der menschliche Körper, die in den Kreislauf übergehen, und haben 300-mal mehr Gene als der Mensch. Somit vererben Menschen nicht nur ihre Gene an ihre Nachkommen, sondern auch die Gene ihrer Darmflora.

Welche Faktoren bestimmen die Zusammensetzung des Mikrobioms?

Die Zusammensetzung wird schon früh von Faktoren wie der Geburt – also auf natürlichem Wege oder Kaiserschnitt – und der Stilldauer beeinflusst. Doch vor allem die unterschiedlichen regionalen, nationalen und länderspezifischen Ernährungsweisen prägen das Mikrobiom. Es verändert sich auch abhängig von Faktoren wie der Einnahme von Medikamenten. Je länger und häufiger Patienten beispielsweise ein breit wirkendes Antibiotikum einnehmen, desto wahrscheinlicher ist eine starke Schädigung des Mikrobioms.

Welchen Einfluss hat das Mikrobiom auf die Gesundheit?

Die Darmbakterien haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit. Beispielsweise regen die Mikroorganismen die Darmbewegung an und unterstützen die Verdauung, sie bekämpfen Entzündungen, verdrängen Krankheitserreger und tragen zur Synthese lebenswichtiger Vitamine wie B1, B2, B6, B12 und K bei. Ohne die Ansiedlung der Bakterien im Darm entwickelt sich das Immunsystem auch nicht richtig.

Beeinflusst die Ernährung das Mikrobiom?

Die Ernährungsweise stellt den wichtigsten Regulator des intestinalen Mikrobioms dar. Vorwiegend pflanzliche Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst und Getreideprodukten aus Vollkorn fördert eine breite Diversität und die Stabilität der Darmbarriere. Andere Nahrungsmittel beziehungsweise Ernährungsweisen wirken sich hingegen negativ auf die Darmgesundheit aus und führen zu einem Ungleichgewicht zwischen ‚guten‘ und ‚schlechten‘ Darmbakterien. Eine fett- und eiweißreiche Ernährung mit viel Fleisch regt zum Beispiel das Wachstum von Bakterien an, die Entzündungen fördern und die Darmbarriere destabilisieren. Auch ein hoher Zuckerkonsum oder der verstärkte Verzehr von Fast Food und Fertigprodukten scheint die Zusammensetzung und damit das Gleichgewicht des Mikrobioms zu stören.

Kann ein „gestörtes“ Mikrobiom Krankheiten auslösen?

Ärzte und Wissenschaftler konnten das Mikrobiom mit verschiedenen Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom, Darmkrebs, Alzheimer, Morbus Parkinson, Allergien, aber auch mit Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas und psychischen Erkrankungen wie Depressionen in Verbindung bringen. Ob Veränderungen des Mikrobioms solche Krankheiten auch hervorrufen, ist jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Da auch die Darm-Hirn-Achse intensiv erforscht wird, weiß man mittlerweile, dass Darmbakterien Funktionen im Gehirn beeinflussen können. Zudem hat die Mikrobiom-Zusammensetzung einen großen Einfluss auf den Faktor VIII, der die Blutgerinnung steuert. Dies spielt dann auch bei koronaren Herzerkrankungen und Arteriosklerose eine Rolle. 

(fa)

 

Prof. Dr. Andreas Erhardt ist Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie, Hepatologie und Ernährungsmedizin des zum Klinikverbund St. Antonius und St. Josef gehörenden Petrus-Krankenhauses Wuppertal

 

Quellen 

Pressemitteilung

Pressemitteilung: Lena Koithan, Borgmeier Public Relations

 

Foto

canva 

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